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Der deutsche Immobilienmarkt in Zeiten der Corona-Krise
Berlin 2. Juni 2020

Der deutsche Immobilienmarkt in Zeiten der Corona-Krise



Co­ro­na hat nicht nur die Ak­ti­en­märk­te be­ein­träch­tigt — auch im Im­mo­bi­li­en­sek­tor steht die Fra­ge im Raum, wie sich die Prei­se ent­wi­ckeln wer­den und was das für In­ves­to­ren be­deu­tet. Wir ha­ben die Pres­se dazu für Sie ge­sich­tet und stel­len die wich­tigs­ten The­men nach­fol­gend über­blicks­wei­se zu­sam­men.

Wie die Ta­ges­schau am 26. Mai be­rich­tet, zeigt der Haus­preis-In­dex EPX, den die Im­mo­bi­li­en-Trans­ak­ti­ons­platt­form Eu­ro­pace mo­nat­lich er­mit­telt, nach oben. Die Prei­se für Ei­gen­tums­woh­nun­gen und Ein­fa­mi­li­en­häu­ser leg­ten im April um 0,7 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­mo­nat zu; im Ver­gleich zum Vor­jah­res­mo­nat lie­gen die Prei­se 11,6 Pro­zent hö­her.

Auf den Markt für Be­stands­woh­nun­gen hat die Co­ro­na-Kri­se laut ei­ner ak­tu­el­len Un­ter­su­chung von Im­mo­welt bis­her noch kei­ne gra­vie­ren­den Aus­wir­kun­gen, “Bis­lang hat der Wohn­im­mo­bi­li­en­markt die Co­ro­na-Kri­se gut über­stan­den, die Prei­se sind größ­ten­teils sta­bil oder stei­gen so­gar wei­ter”, sagt Cai-Ni­co­las Zieg­ler, Chef der Im­mo­welt AG. Wohn­im­mo­bi­li­en sind wei­ter­hin sta­bil — an­ders als Ge­wer­be- und Bü­ro­im­mo­bi­li­en, wo man sich auf sin­ken­de Prei­se ein­stel­len muss.

Auch Bör­se On­line be­rich­te­te am 24. Mai, dass sich die zahl­rei­chen ne­ga­ti­ven Pro­gno­sen für die deut­schen Im­mo­bi­li­en­prei­se der­zeit nicht be­wahr­hei­ten. Gut zwei Mo­na­te nach In­kraft­tre­ten der Maß­nah­men zur Ein­schrän­kung des Vi­rus Co­vid-19 zeich­net sich nach wie vor kei­ne nen­nens­wer­te Trend­än­de­rung bei den Wohn­im­mo­bi­li­en­prei­sen ab.

Maß­geb­li­cher Trei­ber für die Im­mo­bi­li­en­prei­se wird die wei­ter­hin ex­trem lo­cke­re Geld­po­li­tik der EZB und an­de­rer No­ten­ban­ken blei­ben, so die Com­merz­bank. Die­se hät­ten im Zuge der Co­ro­na-Kri­se ihre Schleu­sen ge­öff­net und die Märk­te er­neut mit Geld ge­flu­tet. Als Kon­se­quenz der welt­weit äu­ßerst ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik blie­ben An­le­gern kaum noch In­ves­ti­ti­ons­al­ter­na­ti­ven, so dass In­ves­ti­tio­nen in Im­mo­bi­li­en zu­se­hends at­trak­tiv wür­den.

Mi­cha­el Neu­mann, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Dr. Klein Pri­vat­kun­den AG, geht von ei­nem lang­fris­tig nied­ri­gen Zins­ni­veau aus: “Die leich­te Auf­wärts­be­we­gung ist zum gro­ßen Teil dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass die Ban­ken in der ak­tu­ell un­si­che­ren Zeit Ri­si­ken neu be­wer­ten und Zins­rück­gän­ge nicht kom­plett an ihre Kun­den wei­ter­ge­ben. Auf mitt­le­re Sicht ist zwar ein mo­de­ra­ter An­stieg mög­lich, doch der wird sich in ei­nem über­schau­ba­ren Rah­men hal­ten. Auch dann wird das Zins­ni­veau im­mer noch auf ei­nem im his­to­ri­schen Ver­gleich ab­so­lut güns­ti­gen Ni­veau ver­blei­ben.”

Die Wirt­schafts­Wo­che be­rich­tet am 28. Mai von ei­nen re­gel­rech­ten Run auf Im­mo­bi­li­en­kre­di­te. Bei fast al­len gro­ßen Kre­dit­ver­mitt­lern sei die Nach­fra­ge nach Bau­kre­di­ten auch nach Be­ginn der Co­ro­na­pan­de­mie wei­ter stark an­ge­stie­gen. So ver­zeich­ne­ten die Volks­ban­ken und Raiff­ei­sen­ban­ken im ers­ten Quar­tal des Jah­res das höchs­te Kre­dit­wachs­tum seit dem Jahr 2000. Im März, dem ers­ten Mo­nat der Co­ro­na­kri­se, lag die Kre­dit­ver­ga­be 6,2 Pro­zent über Vor­jah­res­ni­veau. Spar­kas­sen-Prä­si­dent Hel­mut Schle­weis freut sich schon auf die nächs­ten Re­kor­de: „Die Nach­fra­ge nach Wohn­im­mo­bi­li­en ist wei­ter­hin sehr sta­bil und wird wo­mög­lich so­gar wei­ter stei­gen.“

Die Im­mo­bi­li­en­Zei­tung in­for­mier­te am 22. Mai dar­über, dass der neue Eu­ro­pe Pro­per­ty Fund V von Black­Rock mit knapp 1,5 Mrd. Euro Ei­gen­ka­pi­tal be­son­ders auf In­vest­ments in Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Nord­eu­ro­pa und Frank­reich zielt. In die­sen Re­gio­nen sei­en die öf­fent­li­chen Fi­nan­zen und Ge­sund­heits­sys­te­me “be­son­ders stark”. Die Fonds­ma­na­ger er­klä­ren, dass sie eine An­la­ge­stra­te­gie an­ge­passt an die Aus­wir­kun­gen der Co­ro­na-Pan­de­mie ver­fol­gen und sich “de­fen­siv po­si­tio­nie­ren”.

Ak­tu­ell se­hen die Ent­wick­lun­gen für den deut­schen Wohn­im­mo­bi­li­en­markt gut aus. Jüngs­te Da­ten si­gna­li­sier­ten bis­lang eine sta­bi­le bis po­si­ti­ve Preis­ten­denz. Das bis­her idea­le Um­feld des deut­schen Wohn­im­mo­bi­li­en­mark­tes sor­tiert sich zwar an vie­len Stel­len neu, grö­ße­re Ver­wer­fun­gen in den Prei­sen wer­den al­ler­dings bis­her nicht er­war­tet. So­bald in der zwei­ten Jah­res­hälf­te eine Sta­bi­li­sie­rung und die nach­fol­gen­de Er­ho­lung der Wirt­schaft ein­setzt, dürf­ten an­schlie­ßend auch die Im­mo­bi­li­en­prei­se wie­der leicht wach­sen. Vie­le An­le­ger be­trach­ten Im­mo­bi­li­en wei­ter­hin (bzw. be­son­ders in der Kri­se) als “si­che­ren Ha­fen”, was die Nach­fra­ge nach Im­mo­bi­li­en und da­mit die Prei­se zu­sätz­lich stützt.