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Europa wird 60
Berlin 30. März 2017

Europa wird 60



Am 25. März 1957 ha­ben Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en, Bel­gi­en, Lu­xem­burg und die Nie­der­lan­de die Rö­mi­schen Ver­trä­ge un­ter­zeich­net und leg­ten den Grund­stein für die Eu­ro­päi­sche Uni­on. Das EU-Ju­bi­lä­um äu­ßert sich eher als eine EU-Kri­se, die im We­sent­li­chen aus drei Kri­sen besteht.

Fi­nanz­kri­se

Die Fi­nanz­kri­se ist längst noch kei­ne Er­schei­nung der Ver­gan­gen­heit. Die Null­zins­po­li­tik der EZB und die hor­ren­den Sum­men, die für Auf­käu­fe von Staats- und Un­ter­neh­mens­an­lei­hen aus­ge­ge­ben zei­gen nur we­ni­ge Bei­spie­le der fi­nanz­po­li­ti­schen Maß­nah­men dar. Vie­le wer­den sich der fa­ta­len Ne­ben­wir­kun­gen be­wusst — die For­de­rung, sie auf­zu­ge­ben, wird im­mer lau­ter. Die Zins­ab­schaf­fung führt zur Ent­eig­nung der Spa­rer, treibt Le­bens­ver­si­che­rungs­ge­sell­schaf­ten und wei­te­re in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren in im­mer ris­kan­te­re An­la­gen und führt zu Fehl­al­lo­ka­tio­nen von Kapital.

Eu­ro­kri­se

Die Schul­den der Eu­ro­staa­ten sind hö­her denn je und stei­gen wei­ter­hin an. Die­se Schul­den kön­nen von den Staa­ten nur aus dem Grund be­dient wer­den, da sie qua­si kei­ne Zin­sen mehr be­zah­len müs­sen. Wür­de die EZB ihre Po­li­tik der An­lei­he­käu­fe be­en­den oder die Zin­sen er­hö­hen, dann wä­ren die meis­ten Staa­ten in Eu­ro­pa so­fort bank­rott. Die EZB hat im­mer wie­der dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihre Maß­nah­men die Kri­se nicht be­en­den kön­nen, dazu sei­en Re­for­men in den Län­dern not­wen­dig, die al­ler­dings aus­ge­blie­ben sind. Le­dig­lich in Deutsch­land kam es zu Um­ge­stal­tun­gen, die heu­te un­ter Mar­tin Schulz wie­der zu­rück­ge­dreht wer­den sol­len (Die Re­form der Re­form). Den­noch, das Fi­nanz­sys­tem bleibt hoch­gra­dig instabil.

Flücht­lings­kri­se

Die Zu­wan­de­rer, die ohne rea­lis­ti­sche Per­spek­ti­ve nach Deutsch­land ge­kom­men sind, sind nicht so leicht zu „in­te­grie­ren“, wie es sich die An­hän­ger der Will­kom­mens­kul­tur vor­ge­stellt ha­ben. Daim­ler-Chef Zet­sche sah die Flücht­lin­ge als Chan­ce für die Lö­sung des Fach­kräf­te­man­gels an, was sich al­ler­dings bis­lang prak­tisch nicht be­währt hat.
Er­do­gan kann Mer­kels „Flücht­lings­pakt“ je­der­zeit auf­lö­sen. Die­se Be­fürch­tung ist die Ur­sa­che da­für, dass Kanz­le­rin Mer­kel ge­gen­über der Tür­kei kei­ne kla­re Spra­che spricht und die „Po­li­tik“ der Tür­kei nicht Dik­ta­tur nennt, ob­wohl die tür­ki­sche Staats­füh­rung so­gar be­haup­tet, die Ver­hält­nis­se in Deutsch­land sei­en schlim­mer als zu Zei­ten der NS-Dik­ta­tur. Die EU zahlt nach wie vor Hun­der­te Mil­lio­nen Euro an die Tür­kei — als Un­ter­stüt­zung zur „De­mo­kra­ti­sie­rung“ des Lan­des. Dass die­se Zah­lun­gen nicht für da­für ver­wen­det wer­den, ist of­fen­sicht­lich. Die Be­fürch­tung, dass Er­do­gan sei­ne Dro­hun­gen des Pakt­aus­tritts wahr­ma­chen könn­te, sorgt da­für, dass es zu kei­nem Zah­lungs­stopp und zu kei­ner Lö­sung kommt.